Tourismuscamp 2019 in St. Peter Ording

Beim diesjĂ€hrigen Tourismuscamp war land in sicht natĂŒrlich auch dabei. Dieses Jahr von 18. bis 20. Januar 2019 im hohen Norden in St. Peter-Ording. Hauptlocation war das Hotel Strandgut Resort.

Als Warm-Up gab es am Freitag Nachmittag den 2. Round-Table Open Data. Es haben sich DMOs und Anbieter zusammengefunden, um ĂŒber ihren aktuellen Stand in Sachen Open Data zu diskutieren und Beispiele zu zeigen. Einige Destinationen (Tourismus-Marketing Brandenburg GmbH, Stadt WolfenbĂŒttel, Siegen-Wittgenstein, Ostsee-Holstein-Tourismus e.V.) stellten ihre aktuellen Projekt, Stand und die alltĂ€glichen Herausforderungen rund um Open Data vor.

Open Data ist ein Thema das alle touristischen Akteure irgendwie umtreibt. WĂ€hrend - meiner Wahrnehmung nach - in den letzten Jahren die Diskussion hauptsĂ€chlich in eine technische Richtung gelaufen ist (die Dienstleister sitzen auf „ihren“ Daten, Schnittstellen sind so teuer, mit Open Data brauchen wir keine Schnittstellen mehr), entwickelt sich die Diskussion langsam an den Punkt an dem es wirklich klemmt: Inhalt. Wie komme ich an Inhalt den ich ĂŒberall verwenden darf? Was hat es mit welchen Lizenzen auf sich? Wie messe ich dann meine Reichweite? Gibt es andere Indikatoren zur Erfolgsmessung?

Und pĂŒnktlich nach dem Tourismuscamp dĂŒrfen wir aus BrĂŒssel auch wieder etwas zu Open Data lesen. Die Technik ist kein Problem. Es ist vielleicht Arbeit, aber kein Problem. Das technische Allheilmittel scheint aus Sicht vieler DMOs sowie Berater die Auszeichnung der Daten nach dem Vokabular von schema.org zu sein. Das ist es aber aus meiner Sicht nicht bzw. darf nicht in einen Topf geworfen werden: Auszeichnung nach schema.org machen wir seit Jahren, aber das hat erst mal nichts mit Open Data zu tun. Hier (bei schema.org) geht es um das zur VerfĂŒgung stellen von strukturierten Informationen, um z.B. Google das Leben zu erleichtern. Wobei, die Großen kommen schon an die Daten an die sie kommen wollen. Ein prominentes Beispiel von schema.org sind die Informationen zur Bewertung in der Google Trefferliste. Damit das angezeigt wird, mĂŒssen die Bewertungsdaten nach schema.org zur VerfĂŒgung gestellt werden.

Open Data ist in erster Linie eine Frage der Ehre? Lizenzen? Wobei, eigentlich doch der Ehre - im Sinne von Haltung. Will (oder muss) ich meine Daten teilen? Was sind die Vorteile, was sind die Nachteile? Was bringt es dem Gast? Was bringt dem Gast ĂŒberhaupt was? Und neben dem entsprechenden Einkauf stellen sich auch Folgefragen wie, Reichweitenmessung, was ist mit den Models auf den Bildern etc. Und erst dann gehts auch ein bißchen um Technik. Vorher gehts ums Zuhören. Wegfall von Schnittstellen als nahezu einziges Argument fĂŒr Open Data zu nennen halte ich fĂŒr deutlich zu kurz gesprungen! 

Zum Abschluss des ersten Tages gab es eine Fackelwanderung am Strand zum offiziellen BegrĂŒĂŸungsempfang in der Zweiten Heimat und zum Abendessen im Beachmotel. Auf dem Weg gab es von Constanze Höfinghoff (Tourismus-Direktorin St. Peter-Ording ) interessante Infos zu Strand, Meer und Menschen.

Der zweite Tag startete mit einem gemeinsamen Auftakt, Einstimmung aufs Wochenende, einer kurzen Vorstellungsrunde sowie der Sessionplanung.

Und es war eine richtig tolle Einstimmung. Poetry Slammerin Selina Seemann stimmte uns mit tollen Texten auf das Wochenende ein.

Was auch zum Auftakt gehört: Tourismuszukunft hat sich entschieden, den gesamten Erlös der Early-Bird Tickets an den Bundesfachverband unbegleitete minderjĂ€hrige FlĂŒchtlinge zu spenden - aufgerundet 5.500 €. Ein tolles Zeichen wo „Haltung zeigen“ immer wichtiger wird!
 

Wer die Wahl hat hat die Qual
um die Sessions kurz zusammenzufassen. Die Bandbreite der Sessions war sehr groß - von der “Psychologie des Reisens” ĂŒber “User-Intent” bis zu “Lean, Agile, Design, Dings
” war viel geboten. Ein paar einzelne Punkte möchte ich herausgreifen, da sie mir einfach wichtig sind.

Neben “Open Data” gehört sicherlich auch “irgendwas mit agil” zu den Top-Begriffen im heiteren Fachbegriffe raten. In seiner Session “Lean, Agile, Design, Dings
” nahm uns Prof. Dr. Eric Horster mit auf eine Reise (um im touristischen Bild zu bleiben) quer durch verschiedene Methoden um unsere User und Kunden besser kennen zu lernen und deren eigentliche Herausforderung besser zu verstehen. Also die Jobs, die wir alle fĂŒr unsere jeweiligen Kunden erledigt bekommen mĂŒssen um unsere Kunden zu begeistern.

Um was geht es bei den vielen Methoden wie Design Thinking, Jobs to be done oder dem Core-Model (mit dem arbeiten wir viel in Projekten)? Eigentlich erst mal ums Zuhören. Und das ist eine große Aufgabe! Was ist eigentlich wirklich das Problem? Wie kommen wir in kleinen Schritten iterativ zu einer Lösung? Und immer wieder hinterfragen.

Ein schönes Beispiel von Eric: in einer Umfrage wurde herausgefunden, dass vielen Besuchern einer Einrichtung die Fahrt mit dem Aufzug zu lange dauert. Spontane Idee zur Lösung: Klar! Aufzug muss halt schneller fahren. In der Umsetzung aber nicht so ganz einfach. Nach einem genaueren Hinhören wurde das Bild differenzierter: viele Leute langweilen sich einfach beim Aufzug fahren. Objektiv gesehen fĂ€hrt der schon recht flott. Anderer Lösungsansatz: den Aufzugfahrern ihre Langeweile nehmen. Z.B. mit aktuellen Infos. Damit wird die Fahrt mit dem Aufzug subjektiv schneller. Und die Umsetzung dĂŒrfte in dem Fall auch deutlich einfacher gegangen sein.

Das lĂ€sst sich gut auf unsere touristische (Online-)Welt ĂŒbertragen: Wenn ich sofort eine Lösung parat habe, dann habe ich vermutlich das Problem noch gar nicht richtig verstanden.

Wir haben uns fĂŒr unsere Datenbank “toubiz” das Zuhören ganz weit oben auf die Fahne geschrieben. Und das heißt fĂŒr uns, dass wir unseren Usern, also den Redakteuren der touristischen Organisationen, das Leben erleichtern wollen. Zuhören eben. Wo sind die tĂ€glichen Problemchen? Wie kann toubiz hier z.B. bei der Content-Erstellung oder bei der richtigen Open Data Lizenz unterstĂŒtzen. Arbeitstitel “Wellness fĂŒr Redakteure”.

Das ist ein schöner Übergang zu einer Session vom Sonntag: Destinations Workaway. Eine Session von Anja Gabriel und Manuel Liebig. Wie können es Destinationen schaffen, besser gegenseitig in den Austausch zu kommen und voneinander zu lernen? Hierzu wurden verschiedene AnsĂ€tze eingebracht: "So was wie Frauentausch nur anders
“. Aber der Gedanke ist spannend, da ja viele dieselben Probleme haben und so einen Blick von außen ohne externe Berater bekommen können. Aus meiner Sicht sollte auch unbedingt die Dienstleister-Perspektive eingebracht werden: es geht darum gegenseitiges VerstĂ€ndnis zu schaffen. Was sind die Herausforderungen im Agenturalltag und warum ist manches vielleicht doch aufwĂ€ndiger als gedacht?

Frage: Warum dauert das so lange?

Antwort: Soll es gut aussehen? Soll es funktionieren? Soll es getestet sein? Soll es versioniert werden? Soll es am Internet Explorer auch laufen? Welche Version? Soll es in 6 Monaten auch noch gehen? Das sind Ausschnitte des Prozesses der anlĂ€uft wenn es darum geht oben rechts einen Button einzufĂŒgen.

Die Webentwicklung im Alltag einer renommierten Agentur ist schon Jahre lang weit ĂŒber das „ich mach das mal schnell live“ hinaus. Und genauso ist es fĂŒr Mitarbeiter einer Agentur, vom Service Desk bis zum Entwickler, wichtig genau zu verstehen, wo eigentlich die Herausforderungen in einer touristischen Organisation im ganz konkreten Alltag sind. Im Rahmen eines Projekt-Kickoffs einen Ort oder Region zu besuchen und etwas kennenzulernen ist nett (und auch wichtig), aber das hat noch nichts mit Alltagsprobleme zu tun. Um es mit der Poetry Slammerin Selina Seemann aus einem Text zum Einstieg zu sagen: „Ich will den Dreck
".

Das Rahmenprogramm neben den Sessions konnte sich wirklich sehen lassen! Wetter war top bestellt und das Essen war unverschÀmt
gut! Vielen Dank an alle Organisatoren und Beteiligte! Es war eine tolle Veranstaltung und ich freue mich aufs nÀchste Mal!

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